Das du als Langzeitarbeitsloser in die soziale Armut geschickt wirst, ist weitläufig bekannt. Hartz4 lässt grüßen. Dasselbe passiert dir aber auch als Langzeitkrankem. Und das ist doppelt hart. Krank und Arm.
Als gesunder Mensch denkt man leider nicht darüber nach, dass man eventuell auch einmal schwerstkrank werden könnte. Hatte ich auch nicht. Nunmehr seit 3 Jahren krebskrank, mehrerer Operationen und permanenter Chemotherapie kämpfe ich nicht nur gegen meinen Krebs, sondern auch gegen den finanziellen Ruin. Jeder weiß, dass die Schere zwischen Krankengeld und deinem normalen Nettoeinkommen recht hoch ist. Von heute auf Morgen viel weniger Geld, aber deine laufenden Kosten bleiben. Über einen kurzen Zeitraum kann man dies mit Erspartem ausgleichen. Aber irgendwann ist damit Schluss und du machst nur noch Verluste. Bei mir bewegen sich diese mittlerweile im 5stelligen Bereich. Das ist kaum noch aufzufangen mit einer 4köpfigen Familie.
Irgendwann einmal bekommst du kein Krankengeld mehr. Je nach Krankenkasse bekommst du innerhalb eines 3jahres Blocks max. 18 Monate Krankengeld für ein und dieselbe Krankheit und dann wirst du ausgesteuert. Bei mir war es dann im November 2009 so weit. Ich bekam ein Schreiben meiner Krankenkasse, mit der Nachricht das ich kein Krankengeld mehr bekomme und mich sofort beim Arbeitsamt melden solle, da ich dort nunmehr Anspruch auf Arbeitslosengeld hätte. Dies machte ich dann auch sofort Ende November 2009. Ich füllte alle Papiere aus und reichte diese ein. Nach nur einer Woche bekam ich bereits Bescheid, dass ich nunmehr Anspruch auf Arbeitslosengeld für 18 Monate hätte. Ein Stein viel mir vom Herzen ! Die Freude hielt aber nicht lange an.
Anfang Januar 2010 bekam ich einen Anruf vom ärztlichen Dienst des Arbeitsamtes Duisburg. Die Dame am Telefon war zuerst recht nett am Telefon. Man hätte ja jetzt alle Unterlagen meiner Ärzte aus denen man ersehen kann das ich sehr krank bin. Ob man denn jetzt ersehen könnte wann ich wieder Gesund werde ? Dies verneinte ich (Dies könnte auch nur Jesus wissen). Verwies aber darauf, dass ich noch 4 Zyklen Chemotherapie machen muß. Falls dies gut verlaufen würde ich meinem Arbeitgeber dann wieder vollwertig zur Verfügung stehen. Jetzt fing der Beamtenton an ! In diesem Falle sieht der Gesetzgeber vor, dass ich keinen Anspruch mehr auf Arbeitslosengeld hätte und ich eine vorläufige Rente wegen Erwerbsminderung beantragen müsse. Mir stockte der Atem ! Diese Rente beträgt z.Zt. gerade einmal ca. 35 % meines jetzigen Einkommens. Das reicht gerade einmal für meine Miete ! Ich sagte dieser Ärztin dann auch sofort, dass ich jetzt keine Rente beantragen würde, weil dies der finanzielle Ruin für meine Familie wäre. Außerdem habe ich vor noch ein paar Jahre zu leben um dann mit 65 Jahren in Rente zu gehen. Jetzt wurde der Ton pampig ! Falls ich dies nicht wolle, müsse sie mir ab sofort das Arbeitslosengeld streichen und ich hätte dann nur noch die Möglichkeit auf Hartz4. Jetzt wurde ich sauer ! Man ist sterbenskrank und unser Sozialstaat schickt dann auch noch meine gesamte Familie in die soziale Armut ? Kurze und knappe Antwort:“Ja, das ist so“. Ich würde jetzt kurzfristig ein Einladungsscheiben bekommen und ich sollte mir bis dahin überlegen welche Variante ich wolle. Dieses Schreiben habe ich nicht mehr abgewartet und habe mich beim Arbeitsamt abgemeldet. Trotz anhaltender Chemo, kleinerer Operationen und Schmerzen bin ich sofort wieder arbeiten gegangen. Alle Therapien, Termine und OP`s hatte ich dann mit Urlaub abgegolten.